Der Barbier von Sevilla* Der Barbier von Sevilla* Oper von Gioachino Rossini Komische Oper in zwei Akten (1816) Libretto von Cesare Sterbini nach Pierre-Augstin Caron de Beaumarchais' »Le Barbier de Séville ou la précaution inutile« (1775) In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Premiere am 21. Januar 2012 Wiederaufnahme am 24. Oktober 2012 FESTLICHER OPERNABEND | Zum letzten Mal in dieser Spielzeit! | Fr 29.06.12 | 19:30–22:10 | Opernhaus Abonnement: Festliche Opernabende Weltstars zu Gast in Hannover! Zum Abschluss dieser Saison begrüßen wir mit Vesselina Kasarova eine der renommiertesten Mezzosopranistinnen unserer Tage. Nach dem ersten Preis beim Wettbewerb »Neue Stimmen« 1989 wurde sie an das Opernhaus Zürich engagiert. Von dort gastierte sie bei den Salzburger Festspielen und debütierte als Rosina an der Wiener Staatsoper – der Grundstein für ihre internationale Karriere war gelegt. Als Ensemblemitglied in Wien avancierte sie schnell zum Publikumsliebling und sang seither an den größten internationalen Opernhäusern wie der Mailänder Scala, dem Royal Opera House Covent Garden, der Metropolitan Opera New York, den Opernhäusern in Berlin, Amsterdam, München, Genf, Paris, Barcelona und Florenz. Weltberühmt wurde sie für ihre Interpretationen von Mozart-Partien, der französischen Oper und natürlich des Belcanto-Fachs, mit dem sie auch in Hannover zu erleben sein wird.
Der gerissene Barbier Figaro unterstützt mit geschickten Tricks die Treffen und die Heirat zwischen der jungen Rosina und dem Grafen Almaviva. Gleichzeitig kommt er dem alten Bartolo ständig in die Quere, der Rosina und deren Erbschaft für sich beansprucht. So einfach läse sich die Handlung von Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla aus der Tradition der Commedia dell’arte, hätten nicht die Autoren mit ihrer unerschöpflich scheinenden Erfindungslust das konventionelle Muster von dem verliebten Grafen, dem schlauen Diener und dem misstrauischen Alten angereichert mit einer Fülle von Intrigen, Lügen, Verkleidungen und unwahrscheinlichen Zufällen: Der Graf spielt einen betrunkenen Soldaten und einen Gesangslehrer, um sich Zutritt zu Bartolos Haus zu verschaffen. Ein eingeredetes Fieber lässt den echten Gesangslehrer krank nach Hause schleichen. Ein vermeintlicher Liebesbrief entpuppt sich als Wäscheliste. Der echte Brief jedoch gerät aller Manipulation zum Trotz in die falschen Hände und verhindert beinahe das glückliche Ende. Doch ein korrupter Notar und der pure Zufall, dass Bartolo einige Minuten zu spät kommt, sorgen dafür, dass Graf Almaviva und Rosina doch noch die Heiratsurkunden unterschreiben können.
Was nach einem abstrusen und chaotischen Libretto aussehen mag, ist tatsächlich die konsequente Umsetzung der Komödie Le Barbier de Séville von PierreAugustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahr 1775. Nicht die Theaterformen von Beaumarchais’ Zeitgenossen, sondern das in der Nachfolge der Commedia dell’arte stehende théâtre Italien des 18. Jahrhunderts und das burleske Jahrmarktstheater standen Pate bei der Konzeption dieses französischen Schauspiels, das in immer neuen Variationen einem vertrauten Stoff Verwicklungen, Widerstände und Pointen abgewinnt und Kategorien wie Logik und Natürlichkeit außer Acht lässt. Das Unwahrscheinliche beherrscht bei Beaumarchais die scheinbar geordnete und planbare Wirklichkeit der Aufklärung. Wie Kollegen im Geiste scheinen in diesem Sinne Beaumarchais und Gioachino Rossini, der vierzig Jahre später mit seinen künstlerischen Mitteln die virtuose BarbierKomödie des Franzosen fortschreibt. Ähnlich wie Beaumarchais’ Zufall den Figuren immer wieder das Heft aus der Hand nimmt, heben auch Rossinis berühmtes Orchestercrescendo und die motorische Rhythmik seiner Finali die Welt aus den Angeln. Die Figuren stoßen die Turbulenzen zwar an, können sich der daraus folgenden unaufhaltsamen Mechanik von Rossinis Musik schließlich jedoch nicht mehr entziehen. Gleichwohl gerät der Mensch dabei nie völlig zur willenlos zappelnden Marionette. Vielmehr besteht die Kunst Rossinis darin, das Gleichgewicht zu halten zwischen kraftvoll handelnden, exzentrischen Charakteren und jenem Strudel der Töne, der alles mitreißt und zu dem gar nicht so unmodernen Glauben führt, an sich selbst und der Welt irre zu werden.
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Graf Almaviva
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