Falstaff*

Falstaff*

Oper von Giuseppe Verdi

Oper in drei Akten (1893)

Libretto von Arrigo Boito nach The Merry Wives of Windsor (1597) und Szenen aus Henry IV. (1597) von William Shakespeare
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Premiere am 29. Januar 2011

Wiederaufnahme am 1. März 2012

Falstaff - Stefan Adam – © Thomas M. JaukFalstaff - Ania Vegry, Nicole Chevalier, Elzbieta Ardam, Mareike Morr – © Thomas M. JaukFalstaff - Stefan Adam – © Thomas M. JaukFalstaff - Nicole Chevalier, Mareike Morr, Stefan Adam, Elzbieta Ardam, Chor – © Thomas M. Jauk

Zugleich »grotesk und erhaben, schrecklich und lustig, tragisch und komisch« soll das Theater in Zukunft sein, forderte Victor Hugo in seiner berühmten Cromwell-Vorrede. Nicht besser könnte man auch die großen Dramen William Shakespeares charakterisieren. Und ebenso treffen Hugos Worte den Kern des Musiktheaters Giuseppe Verdis. Denn auch deren schwärzeste Tragödien sind immer mit Grellem, Schrillem und praller Lebensfreude durchsetzt. Und umgekehrt erschöpfen sich Shakespeares Komödien nie im Klamottenhaften, sondern erzählen gleichermaßen von Untiefen hinter den Masken der Narrheiten. In ganz besonderer Weise gilt dies auch für Verdis Falstaff nach Shakespeares Merry Wives of Windsor und Henry IV. Verdis Alterswerk von 1893 ist alles andere als eine lustige Spieloper, sondern präsentiert sich ganz im Sinne Shakespeares: Eine der differenziertesten und komplexesten Partituren des 19. Jahrhunderts entfaltet ein hochvirtuoses Theaterspiel in seiner ursprünglichsten Form, im Sinne eines umfassenden – ebenso unterhaltsamen wie tiefgründigen – Welttheaters.


Falstaff, der in Bezug auf Essen und Trinken kein Maß kennt und zudem auch den eigenen Eros grandios überschätzt, wenn er glaubt, mit zwei Frauen gleichzeitig spielen zu können; die folgende weibliche Rache während eines vorgetäuschten Rendezvous; der dickbäuchige Don Juan, der vor dem eifersüchtigen Ehemann in einen Wäschekorb flüchten muss; ein arrangierter Spuk im nächtlichen Park – das sind Witz und Komik in ihrer reinsten Form.

 

Doch wie Verdi betonte, soll Falstaff mitnichten der tölpelhafte, »fettleibige Säufer« sein, sondern einer, »der immer Geist hat«. Falstaff ist ein individualistischer Außenseiter; einer, der von der Norm abweicht und durch seine Andersartigkeit die bürgerliche Ordnung aufmischt. Auch die Musik entlarvt in Bläserattacken und grell auskomponiertem Lachen die Aggressivität, die unter der Maske der bürgerlichen Moral verborgen liegen kann. Falstaff selbst setzt dem wüsten Treiben die Grenzen und schließt alle in das virtuose Spiel der Schlussfuge ein. Denn er weiß sehr gut um seinen wichtigen Platz als Außenseiter innerhalb der Gesellschaft: Das »briciolo di sale« – »das Körnchen Salz« und die nötige Würze wird dem Leben erst durch die schrägen Vögel, die Unangepassten, die Individualisten verliehen.

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* in Originalsprache mit deutschen Übertiteln