Startseite > Otello* Otello* Oper von Giuseppe Verdi Dramma lirico in quattro atti (1887) Libretto von Arrigo Boito nach The Tragedy of Othello, the Moore of Venice von William Shakespeare in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Premiere am 16. September 2006 Wiederaufnahme am 18. September 2011 Mit einem wilden Orkan bricht Giuseppe Verdis vorletzte Oper Otello los. Donner- und Windmaschine, ein ununterbrochen in den Bässen dröhnender, dissonanter Orgelpunkt, wilde Streicherkaskaden, dröhnende Posaunen, flammende Blitze der Piccolo-Flöten – alle orchestralen Kräfte werden aufgeboten, um das auf der Bühne tobende Unwetter zu zeichnen. Eine bangende Menge am Ufer blickt auf das wildbewegte Meer, in dem das Schiff ihres Führers Otello gegen die tosenden Wellen ankämpft. Die Gebete des Volkes werden erhört: Messiasgleich erscheint Otello auf der Szene, als strahlender Sieger über die rebellierende Natur wie über die feindlichen Sarazenen. Nicht von ungefähr steht diese ebenso spektakuläre wie ungewöhnliche Eröffnung von Verdis genialem Alterswerk in kompositorischer Nähe zum berühmten »Dies irae« seines Requiems. Denn der Sturm, der da tobt, ist mehr als ein gewöhnlicher Sturm: Alle Zeichen der Natur deuten auf Weltuntergang, unüberhörbar blasen die Posaunen zum letzten Gericht. Solche Assoziationen an christliche Symbolik durchziehen das ganze Werk und machen Verdis und Boitos Bearbeitung von Shakespeares Tragödie zu einer kritischen Bestandsaufnahme über die Zerstörungskraft dogmatischer Gesinnungen. Der zum Christentum übergetretene Moslem Otello verschreibt sich mit radikalem Eifer der neuen Glaubensgemeinschaft, die ihm als Feldherr Ruhm und Ehre gebracht hat. Bedingungslos übernimmt er ihre Wertevorstellungen, der sinnenfeindlichen Ideologie entsprechend wird auch die Frau an seiner Seite, Desdemona, zur keuschen Heiligen stilisiert. Wie ein Bild entrückt in den Hintergrund der Szene erscheint sie denn auch im 2. Akt, umgeben von Lilien und Rosen, den typischen Attributen der Jungfrau Maria. Genau hier setzt Jago – bei Verdi/Boito mehr mephistophelische Kraft als bei Shakespeare – mit seiner Intrige an: Ohne handfeste Beweise, allein durch die Kraft der Suggestion macht er in Otellos Fantasie aus der Unbefleckten eine Sünderin, besudelt das Heiligenbild und zerstört damit nicht nur Otellos Verehrung und Anbetung Desdemonas, sondern dessen ganzes Ordnungsgefüge. Otellos Mord an Desdemona ist nichts als die brutale Konsequenz seines religiösen Eifers: Wie der Ordnungsverstoß des Cassio im 1. Akt muss auch »Marias Sündenfall« geahndet werden, freilich mit grausamen Folgen für Otello selbst. Denn die ideologische Verdammung seiner eigenen kulturell-religiösen Andersartigkeit stürzt ihn in einen selbstzerstörerischen Konflikt: Aus den äußeren Kämpfen gegen die (muslimischen) Sarazenen kann Otello als Sieger hervorgehen, nicht aber aus den inneren Kämpfen gegen seine von ihm als Defizit empfundene kulturelle Herkunft. Theaterpädagogische AngeboteEin Formular für die Kartenbestellung für Schulklassen unter kasse@staatstheater-hannover.de oder Fax (0511) 9999 1999 finden Sie hier.
Musiktheaterpädagogische Angebote für Lehrer erhalten Sie unter mihaela.iclodean@staatstheater-hannover.de oder Telefon (0511) 9999 1083. * in Originalsprache mit deutschen Übertiteln |
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