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Don Carlo*

Oper von Giuseppe Verdi

Oper in vier Akten (1867/1884)
Libretto von François Joseph Pierre Méry und Camille Du Locle nach »Dom Karlos, Infant von Spanien« (1787) von Friedrich von Schiller und »Philippe II roi d’Espagne« (1846) von Eugène Cormon
Übersetzung ins Italienische von Achille de Lauzière-Thémines und Angelo Zanardini
Fassung Mailand 1884
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 15. Dezember 2007

Wiederaufnahme am 18. Januar 2013

Wiederaufnahme | Fr 18.01.13 | 19:30–22:45 | Opernhaus

Abonnement: Fr 6

© Jörg Landsberg

Verdis fast zwanzig Jahre umfassende Arbeit an seinem »Don Carlo« zeugt nicht zuletzt vom großen Interesse des Komponisten an der Komplexität der von ihm geschaffenen Figuren, an den vor allem in Schillers Vorlage propagierten humanistischen Idealen und den damit verbundenen politischen Dimensionen von Stoff und Handlung.
Denn das Spanien unter Philipp II. wird in Verdis Oper zum Sinnbild eines totalitären Staates, die Inquisition zum Urbild eines Systems der Spitzel und Denunzianten. Private Gefühle haben in dieser Ordnung keinerlei Chance auf Entfaltung, sondern werden rücksichtslos politischen Interessen untergeordnet. Ein offenes Wort ist schlichtweg lebensgefährlich. Über allem und jedem schwebt das Damokles-Schwert der Inquisition. Selbst der König wird innerhalb der festgefügten Machtordnung zum ausführenden Organ, am Ende überantwortet er sogar den eigenen Sohn dem Scharfrichter.
Ein derartiges System aber kann nur zur Deformation der in ihm lebenden Menschen führen. Begrifflichkeiten wie »Wahrheit« und »Lüge« verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung, wenn »Wahrheit« den sicheren Tod und »Lüge« Schutz bedeuten kann. Der Bedrohung einer fortwährenden Bespitzelung gewahr, ändert sich notgedrungen auch das Verhalten der Menschen untereinander. Niemand traut seinem Gegenüber. Wer der eigenen zerbrechlichen Sicherheit gefährlich erscheint, wird denunziert und eliminiert. Freiheit, Liebe und Vertrauen sind die großen Utopien, denen sich jeder nur dann hingibt, wenn er sich unbeobachtet fühlt: Don Carlo träumt den Traum einer utopischen Liebe zu Elisabeth, Posa träumt von der Freiheit Flanderns – und selbst der scheinbar gefühllos agierende König Philipp sehnt sich nachts, allein und unbeobachtet, nach Liebe und menschlicher Wärme. Verdis Musik gesteht selbst dem über Leichen gehenden Herrscher eine ehrlich empfundene Sehnsucht zu, auch hier scheinen Begrifflichkeiten wie »Wahrheit« und »Lüge« nur mehr oberflächlich zu greifen. Gerade die in den Jahren 1882 – 84 entstandene, in Mailand uraufgeführte vieraktige Fassung des »Don Carlo« betont die klaustrophobische Ausweglosigkeit des die ganze Atmosphäre des Stückes im Verborgenen beherrschenden, letztlich gesichtslosen Machtapparates. Die Oper beginnt und endet im Kloster von San Yuste am Grab Karls V., Carlos Großvater. Und auch die Musik kehrt am Ende der Oper zurück zum Beginn, an dem ein unsichtbarer, bedrohlich wirkender Chor von der Bedeutungslosigkeit des Einzelnen und von angstvoller Unterwerfung spricht, der sich auch die Machthaber nicht entziehen können: »Karl der Fünfte ist nur noch Staub und Asche. Und seine stolze Seele zittert jetzt vor den Füßen des Herrn!«

Video

Leitungsteam

Musikalische Leitung
Mark Rohde
Inszenierung
Christof Nel
Bühne
Roland Aeschlimann
Kostüme
Ilse Welter
Choreinstudierung
Dan Ratiu
Dramaturgie
Ulrich Lenz

Besetzung

Filippo II
Shavleg Armasi
Don Carlo
Zurab Zurabishvili
Rodrigo
Stefan Adam
Der Großinquisitor
Per Bach Nissen
Ein Mönch
Daniel Eggert
Elisabetta di Valois
Brigitte Hahn
Prinzessin Eboli
Monika Walerowicz
Tebaldo
Tiina Lönnmark
Gräfin von Aremberg
Sabine Ehlers
Graf von Lerma / Ein königlicher Herold
Ivan Turšić
Stimme vom Himmel
Carmen Fuggiss
Flandrische Deputierte
Marek Durka /
Byung Kweon Jun /
Ingolf Kumbrink /
Kwang-Hee Lee /
Peter Michailov /
Christoph Zürn
Mönche
Woo-Jung Kim /
Valentin Kostov /
Martin Kreilkamp /
Heinz Maraun /
Volkhard Oberdalhoff /
Jürgen Stahl

Chor der Staatsoper Hannover
Extrachor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover