Geschichte des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover

Die Geschichte des Orchesters reicht bis in das Jahr 1636 zurück: Mitten im Dreißigjährigen Krieg gründete Herzog Georg von Calenberg eine Hofkapelle, die zunächst ein reines Konzertorchester war. Heinrich Schütz, Agostino Steffani und Georg Friedrich Händel zählten zu den ersten Kapellmeistern, Jean Baptiste Farinelli zu den führenden Konzertmeistern dieser Anfangsphase. Erst im 19. Jahrhundert wurde aus der Hofkapelle ein Opernorchester. Wilhelm Sutor, Heinrich Marschner, Bernhard Scholz und Hans von Bülow sind herausragende Kapellmeister, Christoph Kiesewetter und Joseph Joachim bedeutende Konzertmeister dieser Zeit.

Zu den bedeutenden Generalmusikdirektoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählten der politisch nicht unumstrittene Rudolf Krasselt (1924-1943) und Franz Konwitschny (1945-1949). Herausragende Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer, Hans Knappertsbusch und Ferenc Fricsay leiteten Konzerte, Komponisten wie Franz Schreker, Igor Strawinsky, Hans Pfitzner und Paul Hindemith dirigierten Aufführungen ihrer Werke.

Seit dem 1. Januar 1970 gehört das Orchester zur Niedersächsischen Staatstheater Hannover GmbH und wird vom Land Niedersachsen als dessen größter Klangkörper finanziert. Es zählt zurzeit 105 Mitglieder. Nach Johannes Schüler, Günther Wich, George Alexander Albrecht, Christof Prick, Andreas Delfs, Hans Urbanek, Shao-Chia Lü, Wolfgang Bozic und Karen Kamensek wird es seit 2016 von Ivan Repušić als Generalmusikdirektor geleitet.

Das Orchester erarbeitet neben täglich wechselnden Opernvorstellungen pro Spielzeit acht Sinfoniekonzerte sowie zahlreiche Sonderkonzerte und Kinderkonzerte. Außerdem gestaltet es eine eigene Kammerkonzertreihe mit acht Matineen pro Saison. Neben GMD Ivan Repušić und den Kapellmeistern Mark Rohde, Valtteri Rauhalammi und Daniel Klein stehen Gastdirigenten wie Marc Albrecht, Gregor Bühl, Jonathan Darlington, Gabriel Feltz, Martin Haselböck, Konrad Junghänel, Alessandro de Marchi, Jun Märkl, Stefan Soltesz, Andreas Spering und Lothar Zagrosek für lebendige, dynamische Opern- und Konzertkonzeptionen. In den Sinfoniekonzerten waren Solisten wie Boris Berezovsky, Rudolf Buchbinder, Gautier Capuçon, Sharon Kam, Albrecht Mayer, Marie-Luise Neunecker, Emmanuel Pahud, Baiba Skride, Christian Tetzlaff und Lars Vogt zu Gast.

Gastspielkonzerte bei Festspielen wie den Wiener Festwochen, dem Edinburgh International Festival und im Brucknerhaus Linz sowie regelmäßige Rundfunk-Liveübertragungen von Opernpremieren bereichern den Alltag des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover. In der Saison 2010/11 feierte der Klangkörper mit zahlreichen Auftragskompositionen und einer CD-Produktion sein 375-jähriges Bestehen.

Im Herbst 2012 hat das Orchester einen neuen Probensaal in den Räumen der früheren Landesbühne Hannover bezogen. In rund fünfmonatiger Bauzeit entstand der akustisch optimierte Probenraum für bis zu 120 Musikerinnen und Musiker.

Seit der Spielzeit 2015/16 spielt das Niedersächsische Staatsorchester Hannover bei seinen Sinfoniekonzerten im Opernhaus in einem neuen Konzertzimmer, das den Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover perfekte Klangbedingungen und den Konzertbesuchern eine ausgewogene Klangqualität an jedem Platz im Zuschauerraum bietet.