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Die Hochzeit des Figaro*

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart

Libretto von Lorenzo da Ponte nach der Komödie
»La folle journée ou Le mariage de Figaro« (1778)
von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere am 10. September 2009

Wiederaufnahme am 24. September 2011

© Thomas M. JaukLe nozze di Figaro – © Thomas M. JaukLe nozze di Figaro – © Thomas M. JaukLe nozze di Figaro – © Thomas M. Jauk

Mehr als »hundert bücheln« hatte Mozart nach der Uraufführung seiner Entführung aus dem Serail 1782 durchgesehen: Keines genügte seinen Ansprüchen für eine neue Oper – bis er drei Jahre später auf einen Text stieß, der ihn so inspirierte, dass er sich auch ohne konkreten Auftrag an die Arbeit machte: Beaumarchais’ »Le mariage de Figaro«, ein in ganz Europa diskutiertes Skandalstück, das mit zahlreichen Aufführungsverboten belegt war und 1785 auch in Wien, als Lesestück unter der Hand weitergegeben, die Runde machte. In Zeiten unsicherer Verhältnisse und gesellschaftlicher wie politischer Krisen fürchteten die europäischen Herrscher die Sprengkraft von Beaumarchais’ Komödie, die gespickt war mit bissigen Angriffen auf das Ancien Régime und aggressiver Gesellschaftskritik.


Mit Mozarts und da Pontes »Le nozze di Figaro« entstand aus dem Revolutionsstück kein revolutionäres Musiktheater. Und dennoch trifft die Oper – jenseits von politischer Satire und aktiver Agitation – den Kern von Beaumarchais’ Schauspiel, denn aufklärerische Ideen durchdringen Mozarts Figaro in umfassenderem Sinne: Die innere wie äußere Freiheit des Menschen artikuliert sich in einer musiktheatralen Sprache, die von Diskontinuität, von Witz und unerwarteten Wendungen lebt und ein immer neues, lebendiges und agiles Spiel ermöglicht. Spontaneität bestimmt Mozarts »Figaro» in den Kategorien Musik und Handlung: Spontaneität, die nur in Freiheit möglich ist, denn nur dort bieten sich die Möglichkeiten, individuell und aus dem Moment heraus zu entscheiden und zu handeln.

 

Auch in Mozarts musikalischer Figurenzeichnung ist der revolutionäre Geist der Zeit auf subtile Weise spürbar: Wenn etwa das Dienstmädchen Susanna und die Gräfin im Duett ununterscheidbar wie Freundinnen vereint sind. Oder wenn Susanna den cholerisch aus der Rolle fallenden Grafen mit dessen eigenen Waffen schlägt, indem sie sich eines höfischen Menuetts bedient. Das alte Denken in Schichten und Ständen löst sich auf, auch wenn manche Figur ihr Selbstbewusstsein noch von äußeren
Koordinaten ableitet. So muss der Graf lernen, dass er die Liebe Susannas weder mit herrisch auftrumpfenden Gesten erzwingen kann, noch sie – und diese Wunde geht tiefer – einem Cherubino gleich mit Charme zu gewinnen vermag. Die Macht des Eros nivelliert Standesunterschiede. Gleichwertige Individuen setzt Mozart in diesem Ensemblestück par excellence zueinander in Beziehung: Doch die vielfältig wechselnden Konstellationen, Verwicklungen, Verkleidungsaktionen und parallel verlaufenden, sich gar überkreuzenden Intrigen, die in den großen Finali auf die Spitze getrieben werden, überblickt nur einer: der Autor. Sein Spielbrett wird zur Plattform für mit Witz und Menschenkenntnis gezeichnete lebendige Figuren, die aus dem Bewusstsein der Freiheit agieren.

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* in Originalsprache mit deutschen Übertiteln