seitenbühne

Seit Dezember 2006 gibt es an der Staatsoper Hannover die seitenbühne - das Opernjournal mit Informationen, Hintergrundberichten und Fotos aus dem Opernalltag. Seit der Spielzeit 2009/10 erscheint die »seitenbühne« in einem neuen Gewand und wurde mit dem red to design award und dem iF award 2010 für ihr Design ausgezeichnet!

Hier können Sie das aktuelle »Proszenium« lesen und sich die bisherigen Ausgaben als pdf-Dokument herunterladen.

 

seitenbühne Nr. 59 (Mai/Juni 2018)

seitenbühne Nr. 58 (März/April 2018)

seitenbühne Nr. 57 (Januar/Februar 2018)

seitenbühne Nr. 56 (November/Dezember 2017)

seitenbühne Nr. 55 (August/September/Oktober 2017)

seitenbühne Nr. 54 (Mai/Juni 2017)

seitenbühne Nr. 53 (März/April 2017)

seitenbühne Nr. 52 (Januar/Februar 2017)

seitenbühne Nr. 51 (November/Dezember 2016)

seitenbühne Nr. 50 (August/September/Oktober 2016)

seitenbühne Nr. 48 (März/April 2016)

seitenbühne Nr. 46 (November/Dezember 2015)

seitenbühne Nr. 43 (April/Mai 2015)

seitenbühne Nr. 42 (Februar/März 2015)

seitenbühne Nr. 41 (Dezember 2014/Januar 2015)

seitenbühne Nr. 40 (Oktober/November 2014) 

seitenbühne Nr. 39 (Mai-Juli 2014)

seitenbühne Nr. 38 (März/April 2014) 

seitenbühne Nr. 37 (Januar/Februar 2014) 

seitenbühne Nr. 36 (November/Dezember 2013)

seitenbühne Nr. 35 (August-Oktober 2013)

seitenbühne Nr. 34 (Mai-Juli 2013)

seitenbühne Nr. 33 (März/April 2013)

seitenbühne Nr. 32 (Januar/Februar 2013)

seitenbühne Nr. 31 (November/Dezember 2012)

seitenbühne Nr. 29 (Mai-Juli 2012)

seitenbühne Nr. 28 (März/April 2012)

seitenbühne Nr. 27 (Januar/Februar 2012)

seitenbühne Nr. 26 (November/Dezember 2011)

seitenbühne Nr. 25 (September/Oktober 2011)

seitenbühne Nr. 24 (Mai-Juli 2011)

seitenbühne Nr. 23 (März/April 2011)
seitenbühne Nr. 22 (Januar/Februar 2011)

seitenbühne Nr. 21 (November/Dezember 2010)

seitenbühne Nr. 20 (September/Oktober 2010)

seitenbühne Nr. 19 (Mai/Juni 2010)

seitenbühne Nr. 18 (März/April 2010)

seitenbühne Nr. 17 (Januar/Februar 2010)

seitenbühne Nr. 16 (November/Dezember 2009)

seitenbühne Nr. 15 (September/Oktober 2009)

seitenbühne Nr. 14 (Mai/Juni 2009)

seitenbühne Nr. 13 (März/April 2009)

seitenbühne Nr. 12 (Januar/Februar 2009)

seitenbühne Nr. 11 (November/Dezember 2008)

seitenbühne Nr. 10 (September/Oktober 2008)

seitenbühne Nr. 9 (Mai bis Juli 2008)

seitenbühne Nr. 8 (März/April 2008)

seitenbühne Nr. 7 (Januar/Februar 2008)

seitenbühne Nr. 6 (November/Dezember 2007)

seitenbühne Nr. 5 (September/Oktober 2007)

seitenbühne Nr. 4 (Juni/Juli 2007)

seitenbühne Nr. 3 (April/Mai 2007)

seitenbühne Nr. 2 (Februar/März 2007)

seitenbühne Nr. 1 (Dezember 2006/Januar 2007)

 

 

>>> Proszenium Nr. 59

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebes Publikum!

 

In der letzten Nummer der »seitenbühne« erschien ein Text von mir als Ankündigung unserer neuen »Aida«. Wer die Inszenierung inzwischen gesehen und den Artikel vorher gelesen hat, dem wird nicht entgangen sein, dass beide nicht ganz deckungsgleich sind. Was hat die von mir aufgeworfene Frage nach den Machtstrukturen in einer digitalisierten Welt mit dem für die Inszenierung zentralen Thema der Scheinhaftigkeit des Theaters, mit dem Spannungsverhältnis zwischen Bühnenfigur und realer Künstlerpersönlichkeit zu tun? Und wie kann es sein, dass der Dramaturg die Intentionen des Regisseurs scheinbar so missversteht?

 

Lassen Sie mich mit der letzten Frage beginnen: Natürlich liegt hier kein Missverständnis vor. Die Entwicklung einer Inszenierung ist ein Prozess, der sich über viele Monate erstreckt. Dazu gehören Gespräche zwischen den Beteiligten, um sich über den Zwischenstand der Überlegungen auszutauschen. Man nähert sich gemeinsam einem Stück, wobei der Weg kein geradliniger ist. Man verstrickt sich zuweilen in Widersprüchen, gerät auf Seitenpfade, die sich entweder als Sackgasse erweisen oder überraschende Perspektiven eröffnen, und manchmal betätigt man auch den Button »Zurücksetzen«, um unbelastet noch einmal von vorn beginnen zu können. Zwar ist die Klärung grundsätzlicher, vor allem auch produktionstechnischer Fragen an Termine gebunden. Doch die inhaltliche Entwicklung der Inszenierung setzt sich in der Probenarbeit fort und ist im Grunde erst am Tag der Premiere wirklich abgeschlossen.

 

In dieser Situation muss nun der Dramaturg viele Wochen vor der Premiere einen Text abliefern, der nichts anderes sein kann als ein Zwischenstand. Schon eine Woche später wäre er vermutlich etwas anders formuliert worden. Aber ist er deshalb falsch oder irreführend? Dies führt uns zur ersten Frage, die inhaltlicher Art ist. Die Auseinandersetzung mit der Oper »Aida« brachte uns nämlich immer wieder auf den Konflikt zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, zwischen Macht und Gefühl, zwischen Rolle und Person, zwischen Schein und Sein – ein Konflikt, der ja für die Figuren der Oper existenziell und letztlich eine Frage nach der Identität ist. Und zwar eine sehr aktuelle Frage in Zeiten von virtueller Identität und Fake News, von Facebook und Instagram, aber zugleich auch eine sehr zeitlose Frage, die für die große Politik aller Epochen ebenso relevant ist wie für das Theater, das zugleich fake ist und doch Wahrhaftigkeit beansprucht.

 

Die Wege, die zu einer Inszenierung führen, sind eben zuweilen sehr kurvenreich und gerade deshalb so aufregend. Aber alle Wege führen irgendwie nach Rom, nur nicht der »goldene Mittelweg«.

 

Ihr Dr. Klaus Angermann

Chefdramaturg